Nachwuchspreis

Ausschreibung des Nachwuchspreises 2021

Brauchen wir eine Erziehungstheorie für die Lehrerbildung?

Die Internationale Herbart-Gesellschaft e.V. schreibt hiermit für ihre 11. Tagung, die vom 22.-24. März 2021 an der Universität Budapest stattfinden soll, einen Nachwuchspreis aus. Das Thema „Brauchen wir eine Erziehungstheorie für die Lehrerbildung?“ hat nicht nur eine gewollte besondere Affinität zur Herbartschen Pädagogik, sondern darüber hinaus eine thematische Nähe zu dem Tagungsthema: "Persönlichkeit – Charakter – Moralität“. Es ist aber dennoch zunächst einmal als offene Frage gestellt. Bekanntlich hat Herbart in seiner Allgemeinen Pädagogik eine Konzeption des Erziehenden Unterrichts in Verbindung mit einer Theorie ‚sittlicher Charakterbildung’ entfaltet, diese aber nicht primär und schon gar nicht ausschließlich für die Schule konzipiert. Andererseits hat er sich, speziell in seiner Königsberger Zeit, sehr für eine pädagogisch fundierte wissenschaftliche Lehrerbildung eingesetzt und selbst seinen Plan zur Errichtung eines Hauslehrerinstituts nicht zuletzt auch als Beitrag zur Förderung pädagogisch erfahrener Lehrerbildung verstanden.
Die faktische Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht über die bloße Unterrichtspflicht hinaus, die zu Herbarts Zeiten bereits absehbar war, hat aber auch dazu geführt bzw. weiterhin zugelassen, dass in einem zunehmend staatlich organisierten Schulsystem mehr oder weniger vornehmlich auch andere als pädagogische Interessen verfolgt wurden. Dafür zahlt die Schule und mit ihr die Gesellschaft ihren Preis. Bezugsfragen dazu sind: Welche Aspekte in aktuellen erziehungswissenschaftlichen Diskussionen sind überhaupt als Sensibilisierung dieser Problematik zu verstehen? Welche sind in dieser Hinsicht vielleicht sogar kontraproduktiv? Und was könnte uns Herbart heute dazu sagen, wenn man sein pädagogisches Denken aus der historischen Befangenheit seiner Prioritätensetzungen herauslösen und konstruktiv weiterdenken könnte?

Die Gesamtthematik bietet also einen Rahmen, in dem auch individuelle Akzentsetzungen gut begründet und überzeugend dargelegt werden können und ausdrücklich erwünscht sind. Einsendungen des eigenen Beitrags können bis zum 30. November 2020 an die beiden u.g. Email-Adressen gesandt werden.

Als Nachwuchswissenschaftler im Sinne der Ausschreibung darf gelten, wer das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, noch nicht habilitiert ist und auch noch keine Professur (W2/W3) innehat.
Die fristgerecht eingegangenen Beiträge werden an unsere Jury weitergeleitet, die autonom entscheidet und eine Reihung vornimmt. Der Preis ist insgesamt mit 1000,- € ausgelobt; die Jury hat jedoch die Freiheit zu entscheiden, ob sie den Betrag einem Preisträger zusprechen oder anteilig auf mehrere Preisträger splitten will. Es ist vorgesehen – je nach Qualität der Beiträge insgesamt – dass 3-5 Beiträge für die Tagung in Budapest nominiert werden. Die Nominierten erhalten dort Gelegenheit, ihren Beitrag in Kurzfassung vorzutragen und in der später vorgesehenen Publikation der Tagung unter den Bedingungen eines peer-review(ten)Verfahrens in der eingereichten Länge veröffentlichen zu können. Die Preisverleihung selbst wird dann unter den Nominierten im Anschluss an die Kurzvorträge in Budapest bekanntgegeben und vorgenommen.

Prof. Dr. Rainer Bolle
bolle@ph-karlsruhe.de

Dr. Alexandra Schotte
alexandra.schotte@phil.uni-augsburg.de

 

 

Preisträger/innen

2013: Dr. Claudia Stöckl (Gerdenitsch) (Karl-Franzens-Universität Graz) mit ihrem Aufsatz "Musikpädagogische Zugänge zu den 'einheimischen Begriffen' der Pädagogik".